Ferring Logo

Therapiemöglichkeiten

Für die Behandlung des Prostatakarzinoms stehen heute eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung; auch wird ständig an der Entwicklung von neuen Medikamenten geforscht.
Wenn bei Ihnen Prostatakrebs diagnostiziert wurde, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und entscheiden Sie gemeinsam, welche Therapie für Sie infrage kommt. Die Art der Therapie richtet sich danach, in welchem Stadium der Krebs diagnostiziert wurde, aber auch nach Ihren Lebensplänen, Hobbies und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand.
Beim Gespräch mit Ihrem Arzt können Sie natürlich auch Familienmitglieder oder Freunde einbeziehen. Vor Beginn der Behandlung wird festgestellt, ob es sich um ein lokal begrenztes, das heißt auf die Prostata beschränktes, Karzinom handelt – oder ob der Tumor fortgeschritten, das heißt, über die Prostatakapsel hinausgewachsen ist.

Der Krebs ist auf die Prostatakapsel beschränkt

Dieser so genannte lokale Tumor hat noch nicht in andere Organe gestreut, also noch keine Metastasen gebildet. In diesem Stadium kann die Erkrankung möglicherweise geheilt werden. Übliche Behandlungsmethoden sind die operative vollständige Entfernung der Prostata und die Strahlentherapie.

Operation
Bei der Prostatektomie entfernen die Ärzte die Prostata und Teile des umliegenden Gewebes. Oft werden die benachbarten Lymphknoten ebenfalls entfernt. Im Anschluss wird die Harnblase wieder mit der Harnröhre verbunden, sodass eine Blasenentleerung auf normalem Wege möglich ist. Bei 5–10 Prozent der Patienten kommt es jedoch zu einem bleibenden Verlust der Blasenkontrolle. Dank moderner Operationstechniken bleibt die Potenz bei den meisten Patienten erhalten.

Strahlentherapie
Strahlentherapeutische Verfahren machen sich zunutze, dass Tumorgewebe auf Strahlung empfindlicher als gesundes Gewebe reagiert. Hohe Dosen an Strahlung werden direkt auf den Tumor gerichtet, auf diese Weise die Krebszellen zerstört und dabei gleichzeitig gesundes Gewebe geschont. In den meisten Fällen kann die Strahlentherapie ambulant erfolgen.

Aktive Überwachung
Bei älteren Männern, deren Tumor sehr klein ist und keine Symptome verursacht, aber auch bei Patienten, deren Tumor in einem sehr frühen Stadium entdeckt wurde, muss nicht sofort mit einer Behandlung begonnen werden. In dieser Situation bietet sich die Strategie der so genannten ‚aktiven Überwachung‘ (Active Surveillance) an. Hierbei wird der Tumor zunächst beobachtet und erst, wenn er weiter wächst oder Krankheitssymptome auftreten, wird mit der Behandlung begonnen.

Der Krebs ist fortgeschritten

Hat sich der Krebs über die Prostatakapsel hinaus ausgebreitet und weitere Organe befallen, versucht man mit der Behandlung, den Krebs solange wie möglich zu kontrollieren, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Regelkreis der Testosteronbildung
Ein großer Teil der Patienten leidet an einem so genannten hormonabhängigen Prostatakarzinom, bei dem der Tumor durch das männliche Sexualhormon Testosteron zum Wachsen angeregt wird. Die Produktion von Testosteron erfolgt in den Hoden und wird durch einen Regelkreis im Gehirn gesteuert:
Im Zwischenhirn schüttet der Hypothalamus das Hormon GnRH, das auch als LHRH bezeichnet wird, aus. GnRH bindet an die Rezeptoren der Hypophyse (Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse) und bewirkt dort die Bildung von LH. Dieses Hormon regt in den Hoden die Produktion des Testosterons an.

Die Hormontherapie
Die meisten Männer mit einem fortgeschrittenen Tumor erhalten eine so genannte Hormontherapie. Sie zielt darauf ab, den Testosteron-Wert soweit abzusenken, dass das Wachstum der Krebszellen verlangsamt und die Größe des Tumors reduziert wird.
Das Absenken des Testosterons kann entweder durch operatives Entfernen der Hoden (Orchiektomie) oder durch Medikamente erreicht werden. Da die Folgen einer Hodenentfernung nicht rückgängig gemacht werden können, entscheiden sich die meisten Männer für die medikamentöse Hormontherapie.

Die medikamentöse Hormontherapie
Die medikamentöse Behandlung kann auf zwei Arten erfolgen: Der Testosteron- Spiegel wird abgesenkt oder die Wirkung des Testosterons an der Krebszelle verhindert.
Es gibt zwei Klassen von Medikamenten, die in die Steuerung des Hormonkreislaufs so eingreifen, dass die Testosteronbildung in den Hoden zum Erliegen kommt:

  • Die Klasse der LHRH-Agonisten und 
  • die neue Klasse der GnRH-Blocker

Beide Arzneistoffe wirken am vorderen Teil der Hirnanhangsdrüse und führen dazu, dass kein LH mehr ausgeschüttet wird. Ihr Ziel erreichen sie jedoch auf unterschiedlichen Wegen. Die LHRH-Agonisten ahmen die Wirkung des GnRH nach, und erreichen über einen Rückkopplungsmechanismus die Testosteronabsenkung. Die GnRH-Blocker blockieren dagegen direkt die Ausschüttung von LH und damit die Testosteronbildung in den Hoden.

Antiandrogene
Die Antiandrogene stellen eine dritte Medikamenten-Gruppe in der Hormontherapie dar. Sie blockieren die Wirkung des Testosterons direkt an den Krebszellen in der Prostata.

LHRH-Agonisten
LHRH-Agonisten werden seit mehr als 20 Jahren bei der Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt. Ihre Wirkstoffe machen die Hirnanhangsdrüse unempfindlicher gegenüber GnRH. Nach 2-3 Wochen Behandlung wird kein LH mehr ausgeschüttet und die Testosteronproduktion in den Hoden ‘abgeschaltet’.

Zu Beginn der Behandlung mit einem LHRH-Agonisten kommt es zunächst zu einem vorübergehenden Testosteronanstieg. Diese Situation kann zu einer Verschlechterung der Krankheitssymptome führen - der so genannten Flare-up-Symptomatik.

Um den Folgen des anfänglichen Testosteronanstieges entgegenzuwirken, hat der Arzt die Möglichkeit, zu Beginn der Behandlung mit einem LHRH-Agonisten zusätzlich ein Antiandrogen zu verschreiben. Das Medikament blockiert die Wirkung des Testosterons in der Prostata. Ein Antiandrogen kann auch über einen längeren Zeitraum gemeinsam mit einem LHRH-Agonisten verabreicht werden: diese Behandlung wird ‘kombinierte Androgen-Blockade’ genannt.

GnRH-Blocker
GnRH-Blocker gehören zu einer neuen Klasse von Medikamenten, die zur Hormonbehandlung eingesetzt werden. Sie blockieren die Wirkung des GnRH direkt und führen so innerhalb weniger Tage zu einer schnellen und deutlichen Absenkung des Testosteron-Spiegels.

Die Blocker wurden entwickelt, damit gleich zu Beginn der Therapie dem Tumor das Testosteron entzogen und auf diese Weise ein Fortschreiten der Erkrankung hinausgezögert werden kann. Unter GnRH-Blockern kommt es aufgrund ihrer besonderen Wirkungsweise nicht zu einem anfänglichen Testosteronanstieg. Die Patienten müssen daher auch kein Antiandrogen zusätzlich einnehmen, um die Auswirkungen des Testosteronanstiegs zu bekämpfen.

Neben LHRH-Agonisten und GnRH-Blockern können ebenfalls östrogenhaltige Medikamente oder andere Arzneistoffe eingesetzt werden, um Prostatakrebs, der bereits Metastasen gebildet hat, zu behandeln. Östrogene sind die weiblichen Geschlechtshormone, die Gegenspieler des Testosterons. Sie werden jedoch selten eingesetzt.

Inhalt